Scharfer Sprit hinter süßer Maske
15.11.2005
Vom Handel als "Erfolg" gefeiert, von Jugendschützern als "Einstiegsdroge" gebrandmarkt: Was steckt wirklich hinter Alkopops? Warum tauchten diese alkoholischen Getränke plötzlich auf? Welche Folgen hat die Alkopops-Steuer?
Unter dem Begriff Alkopops werden bestimmte Arten von Mischgetränken zusammengefasst,
die aus Alkohol und Limonaden bestehen, zum Beispiel Rum mit Limone. Alkopops
sind "Cocktails ohne Barmixer" - sie kommen fertig gemischt in kleinen Flaschen
(0,2 bis 0,35 Liter) auf den Markt. Mit der Einführung der Alkopops wollten die
Spirituosenhersteller ihre stetig sinkenden Umsätze wieder ankurbeln und vor
allem junge Menschen ansprechen.
Woraus bestehen Alkopops?
Vor Einführung der Alkopops-Steuer im Juli 2004 enthielten Alkopops meist zwischen fünf und sechs Volumenprozent Alkohol. Beispiel "Bacardi Breezer Tropical Berry": In der Flasche mit 275 ml Inhalt steckten 39 ml Bacardi. Ein doppelter Bacardi in der Gastronomie hat 40 ml. Im Verlauf einer Clubparty können bei jungen Leuten leicht sechs bis acht Flaschen Alkopops zusammenkommen - das entspricht zehn bis 16 Schnäpsen. Eine
15-Jährige kann schon nach zwei Alkopops 0,7 Promille Alkohol im Blut haben. Hauptproblem und Hauptkritikpunkt bei Alkopops ist, dass die beträchtlichen Mengen Alkohol durch Süßungsmittel und intensive Aromen maskiert werden. Manche "Bitter Lemon"
ohne Alkohol schmeckt bitterer als viele Alkopops.
Die Alkopops-Steuer
Nach Markteinführung der Alkopops in Deutschland stieg der Alkoholkonsum von Jugendlichen rasant an. Reaktion darauf und Ergebnis einer lebhaften, durch foodwatch ausgelösten Diskussion war die Einführung einer Sondersteuer auf Alkopops. Seit Juli 2004 wird diese Steuer auf Alkopops erhoben. Ihre Höhe ist abhängig vom Alkoholgehalt. Dies hatte Auswirkungen auf die Zusammensetzung von Alkopops: Einige Hersteller haben den Alkoholgehalt gesenkt, andere setzen statt Spirituosen nun Weinalkohol zu, um
die Sondersteuer so zu umgehen. Auch der Konsum von Alkopops scheint infolge der Verteuerung zurückzugehen. Hersteller verzeichnen Umsatzeinbrüche. So beispielsweise Diageo Deutschland, mit der Marke Smirnoff einer der großen Anbieter von Alkopops. Der Spirituosenhersteller meldete Mitte 2005 eine Reduzierung des Gesamtabsatzes um 35 Prozent, der Umsatz sank um fast 20 Prozent. Diageo hatte im Sommer 2004 per Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht vergeblich versucht, das Alkopops-Gesetz zu stoppen.
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Weitere Informationen zum Thema |
- Woher kam der Alkopops-Boom?
Warum den Herstellern Alkopops so wichtig sind, erklärt ein Blick auf die langfristige Entwicklung des deutschen Spirituosenmarktes.
- Alkopops verändern das Trinkverhalten
Mit der Einführung von Alkopops ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen gestiegen - um mehr als 25 Prozent. Anfang 2004 hatten die Alkopops das Bier als beliebtestes alkoholisches Getränk bei Jugendlichen abgelöst.
- foodwatch und die Alkopops-Debatte
Während in anderen Ländern Alkopops längst Gegenstand einer gesellschaftlichen Kontroverse waren, zeigen sich deutsche Behörden bei foodwatch-Recherchen Anfang 2003 ahnungslos. foodwatch macht die Alkopops auch in Deutschland zu einem Diskussionsthema.
- Die Alkopops-Steuer: Entstehung und Folgen
Mit der Einführung der Alkopops-Steuer verteuert sich das Mode-Getränk. In der Folge geht der Konsum von Alkopops unter Jugendlichen zurück. Als Reaktion auf Umsatzrückgänge stellt beispielsweise Bacardi die Produktion der Alkopops "Bacardi Rigo" und "Bacardi Breezer" ein. Ab 2008 sind die Bacardi-Alkopops in Deutschland nicht mehr im Handel.
- Die wichtigsten Fragen zu Alkopops
"Smirnoff Ice", "Rigo" oder "Puschkin Vibe" - die Namen sind unterschiedlich, die Masche ist die gleiche: Der bittere Alkoholgeschmack wird durch Süßungsmittel und Aromen maskiert. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Alkopops.
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