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EU-Parlament stimmt gegen die Ampel![]() 16.06.2010
Das EU-Parlament hat heute über eine neue Verordnung zur Nährwertkennzeichnung abgestimmt. Zur Abstimmung stand auch ein Antrag für eine verpflichtende Kennzeichnung mit den Ampelfarben, der gemeinsam von der sozialdemokratischen Fraktion des EU-Parlamentes, den europäischen Grünen und der europäischen Linken eingebracht worden war. Die EU-Parlamentarier lehnten diesen Antrag mit 398 Nein-Stimmen zu 243 Ja-Stimmen mehrheitlich ab. Von Industrie vorgeschlagene Kennzeichnung wird RealitätStattdessen soll nun die GDA-Kennzeichnung (Guideline Daily Amount) verpflichtend vorgeschrieben werden. Dabei wird der Gehalt der Nährwerte durch Prozentangaben bewertet, die sich auf den Tagesbedarf einer erwachsenen Frau beziehen. Diese Kennzeichnung ist schon heute auf vielen Produkten zu sehen. Die Industrie hatte dieses System in einer Art Vorwärtsverteidigungsstrategie eingeführt, um weitergehende Regelungen wie die Ampelkennzeichnung zu vermeiden. Nach Aussagen eines Industrievertreters hat die Lebensmittelbranche in die Einführung dieses Systems insgesamt bereits eine Milliarde Euro investiert. Verschiedene Studien hatten jedoch gezeigt, das Zahlen- und Prozentangaben wesentlich schlechter verstanden werden als die auf einen Blick zu erfassenden Farbsignale der Ampel. Immerhin sollen sich die Angaben zukünftig auf einheitliche 100 Gramm bzw. 100 Milliliter beziehen. Bisher können Hersteller ihre Produkte durch unrealistisch kleine Portionen schönrechnen, zudem erschweren unterschiedliche Portionsgrößen einen Vergleich zwischen verschiedenen Produkte. In Europa herrscht Lobbymacht der IndustrieDas Votum gegen die Ampel ist enttäuschend für die Verbraucher. Obwohl zahlreiche nationale und europäische Spitzenverbände von Ärzten und Kinderärzten, verschiedenste Patientenorganisationen, Krankenversicherungen bis hin zu Verbraucherverbänden sich vehement für die Ampelkennzeichnung eingesetzt haben, obwohl die Vorzüge der Ampelkennzeichnung gegenüber allen anderen Systemen vielfach durch wissenschaftliche Studien belegt wurden und die meisten Verbraucher die Ampel wollen, haben sich die Parlamentarier unter dem Einfluss der Industrielobby gegen die Ampel entschieden. Es bleibt das Geheimnis der Politik, wie sie das gesellschaftliche Problem Übergewicht in den Griff bekommen möchte, wenn sie nicht einmal den Mumm hat, eine transparente und verständliche Angabe des Zucker- und Fettgehalts gegen den Willen der Lebensmittelindustrie durchzusetzen. Nach der Abstimmung des Europaparlaments muss sich noch der Rat der 27 zuständigen Fachminister mit der Verordnung befassen. Erst bei einer Einigung zwischen Parlament und Ministerrat wird eine verbindliche Nährwertkennzeichnung festgelegt.
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