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Wissenschaft

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Wissenschaft spricht für Ampelfarben




Wissenschaft spricht für Ampelfarben

03.06.2010

Nach Ernährungswissenschaftlern sprechen sich jetzt auch Wirtschaftsforscher für die Lebensmittel-Ampel aus. Kurz vor der Abstimmung im Europaparlament am 16. Juni schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Die Politik sollte "einer farblichen Gestaltung der Nährwertangaben (...) den Vorzug geben".

 
 

Unterstützung für die Ampelkennzeichnung kommt von überraschender Seite: „Die Ampel erreicht die Verbraucher am besten", so das Fazit der Wirtschaftswissenschaftler im aktuellen DIW-Wochenbericht. Das DIW hat sich ausführlich mit der Frage auseinander gesetzt, welches der beiden Kennzeichnungssysteme – die Nährwertampel und das Industriemodell GDA – nach empirischen Befunden und theoretischen Erklärungsansätzen besser ist. Den klaren Vorteil der Ampel sieht das DIW in der einfachen Verständlichkeit: „Es muss auch möglich sein, dass Verbraucher, die nicht so gebildet oder gesundheitsbewusst sind, trotzdem aufmerksam gemacht werden. Das wird durch eine Signalfarbe viel deutlicher gemacht als durch viele Zahlen.“

Wirtschaftwissenschaftler widerlegen Argumente der Industrie

Im aktuellen Wochenbericht analysieren die Wirtschaftswissenschaftler die existierenden Studien zum Thema Ampel ausführlich und räumen dabei mit vielen Vorurteilen und Argumenten der Lebensmittelindustrie auf. So dem, dass die Ampel Produkte diffamiere. "Objektiv ist dazu festzustellen, dass die Ampel tatsächlich nicht ein Produkt insgesamt bewertet, sondern die einzelnen Nährstoffe. Die Kritik, die Ampel ignoriere, dass es mehr als nur die angegebenen Nährstoffe gebe, mag berechtigt sein, gilt jedoch gleichermaßen für die GDA-Angaben und ist insofern nicht nachvollziehbar." Weiter heißt es: „Die Frage wiederum, ob die Ampel eine einseitige Ernährung begünstigt, wurde nach unserem Kenntnisstand bisher noch nicht durch Studien fundiert.“

Keine Wettbewerbsbehinderung durch Ampel

Die Gefahr, dass der Wettbewerb durch eine Nährwertkennzeichnung mit den Ampelfarben behindert würde, sieht das DIW nicht. „Die Menschen werden weiterhin Gebäck und Süßwaren kaufen. Es bleibt trotzdem Aufgabe des Staates, deutlich zu machen, dass sie damit Nahrungsmittel zu sich nehmen, die unter Umständen negative gesundheitliche Auswirkungen haben können." Die klare Botschaft an die Politik lautet also: Her mit der Ampel! Eine wichtige Vorentscheidung über die künftige Nährwertkennzeichnung steht am 16. Juni an, dann stimmt das Europaparlament ab.

Studie der Fachhochschule Münster: Ampel wird besser verstanden

Von Seiten der Ernährungswissenschaftler wurden die Vorteile der Ampelkennzeichnung bereits durch verschiedene Studie belegt. So zeigt eine Studie der Fachhochschule Münster zur Ampelkennzeichnung, „dass diese im Vergleich zur GDA-NWK [GDA-Nährwertkennzeichnung] sowohl zu einer besseren/korrekteren Einschätzung des Zucker-/Kalorien-Gehalts als auch zu korrekteren Ergebnissen bei Produktvergleichen führt.“ Autor dieser Studie ist Prof. Dr. Holger Buxel vom Fachbereich Oecotrophologie.

Mit der GDA-Kennzeichnung erkannten knapp 60 bzw. 34 Prozent der Befragten nicht, welches das stärker zucker- bzw. kalorienhaltigere Produkt war. Mit der Ampel lag dieser Wert nur bei 5 Prozent. 75 Prozent der Befragten hielten die Ampelkennzeichung insgesamt für hilfreicher. Die von der Industrie vorgeschlagene GDA-Kennzeichnung hingegen führte „bei einem direkten Produktvergleich für viele Befragte zu Verständnis- und Irritationsproblemen“, heißt es in der Studie.

Britische Studie: Farben + Text wichtig für Verständnis

Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kommt die bislang umfassendste vergleichende Studie über die Verständlichkeit verschiedener Kennzeichnungssysteme. Beauftragt wurde die Studie von der staatlichen britischen Lebensmittelbehörde FSA (Food Standards Agency). Hier ist das Ergebnis: Entscheidend für die Verständlichkeit von Nährwertinformationen ist Kombination von Ampelfarben und Text. Der Studie zufolge sind zwei Arten der Nährwertkennzeichnung signifikant verständlicher als andere Systeme: Eine Kombination aus Text (hoch/mittel/niedrig) und Ampelfarben (rot/gelb/grün) oder eine Kombination von Text, Ampelfarben und zusätzlichen GDA-Prozentwerten. Das reine Industrie-Modell mit Prozentwerten nach dem GDA-System fällt bei dem Vergleich durch.

FSA-Studie „eine hervorragende Arbeit"

Doch wie steht es um die Aussagekraft dieser Studie? Unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Ingrid-Ute Leonhäuser vom Institut für Ernährungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen hat Diplom-Ökotrophologin Julia Lohscheidt die Qualität der Untersuchung für foodwatch bewertet. Fazit: Die FSA-Studie sei bezüglich ihrer Methodik und Validität „als eine hervorragende Leistung einzustufen“. 

foodwatch verlangt, die wissenschaftlichen Erkenntnisse beim laufenden Gesetzgebungsverfahren auf EU-Ebene zu berücksichtigen.

„EUFIC" und „FLABEL": Fragwürdige Studien der Industrielobby

Umso unverantwortlicher, dass sich die Lebensmittelindustrie weiterhin gegen die Ampelkennzeichnung wehrt. Dabei beruft sie sich übrigens auf die Wissenschaft – es lohnt sich allerdings, die Hintergründe der von Wirtschaftslobbyisten zitierten, zum Teil noch nicht einmal veröffentlichten Studien EUFIC und FLABEL zu beleuchten. EUFIC schreibt über sich selbst: "Das EUFIC wird von der Europäischen Kommission und der europäischen Lebensmittel- und Getränkeindustrie mitfinanziert. Es wird von einem Vorstandsgremium geleitet, dessen Mitglieder von den Mitgliedsunternehmen ernannt werden. Derzeit gehören folgende Unternehmen dem EUFIC an: Barilla, Cargill, Cereal Partners, Coca-Cola HBC, Coca-Cola, DSM Nutritional Products Europe Ltd., Ferrero, Groupe Danone, McCormick Foods, Mars, McDonald's, Nestlé, Novozymes, PepsiCo, Pfizer Animal Health, Procter & Gamble, Südzucker, Unilever, und Yakult." Das Who ist Who der internationalen Nahrungsmittelkonzerne.

FLABEL wird ebenfalls von EUFIC getragen, hier hat man sich jedoch zusätzliche Partner mit ins Boot geholt – zum Beispiel die britische Handelskette Tesco. Die ist in Großbritannien seit Jahren als erbitterter Gegner der Ampelkennzeichnung aufgefallen.

Fazit: Die Ampel-Gegner finanzieren sich ihre Anti-Ampel-Studien selbst und ignorieren unabhängige wissenschaftliche Erkenntnis. foodwatch meint: Darauf darf die Politik nicht hören.

 

Mitmach-Aktion: Fordern Sie die Ampel-Kennzeichnung!

Fordern Sie Frau Aigner auf, den Willen der Bürger ernst zu nehmen und sich für die Ampel einzusetzen! Nehmen Sie jetzt an der Mitmach-Aktion von foodwatch teil und empfehlen Sie die Aktion weiter!