Die Mär vom Bio-"Boom"
01.10.2009
Die Bio-Branche erlebte in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg mit zweistelligen Wachstumsraten. Dennoch bleibt der Marktanteil der Bioprodukte gering. Der viel zitierte Bio-"Boom" ist kaum mehr als ein Märchen.
Lebensmittel, die den Begriff "bio" oder "öko" im Namen führen oder das Bio-Siegel tragen, müssen die Kriterien der Öko-Verordnung der Europäischen Union (EU) erfüllen. Diese verbietet beispielsweise den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch veränderten Organismen. Außerdem verlangt sie eine artgerechte Tierhaltung. All dies ist wichtig für Umwelt und Tierschutz, aber auch für gesunde Lebensmittel.
Marktanteil von Bioprodukten ist geringBiologisch erzeugte Lebensmittel sind jedoch nicht die Lösung aller Probleme, wie häufig suggeriert wird. Denn trotz des ausgerufenen Bio-"Booms" liegt der Marktanteil nur bei etwa vier Prozent. Ein Grund dafür sind die höheren Preise der Bioprodukte. Grundsätzlich besteht ein unfairer Wettbewerb zwischen konventionellen und biologischen Lebensmittelerzeugern. Solange konventionelle Landwirte nicht für die von ihnen verursachten Umweltkosten – wie Pflanzenschutzmittel und Dünger im Wasser – zahlen müssen, kann Bio nicht gewinnen. Bioprodukte sind unter diesen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig. Das hat die foodwatch-Studie "Was kostet ein Schnitzel wirklich?" eindringlich dokumentiert. Die zuständigen Politiker sind hier aufgefordert, diesen unfairen Wettbewerb zu beenden.
Zusatzstoffe bei BiolebensmittelnVor allem verarbeitete Produkte, die das Bio-Siegel tragen, können problematische Substanzen enthalten. Denn das Bio-Siegel erlaubt den Einsatz einer Reihe von Zusatzstoffen, darunter auch Carrageen, das im Tierversuch zu Geschwüren und Veränderungen im Immunsystem führte. Bei Fleischprodukten mit dem Bio-Siegel wird zudem das umstrittene Nitritpökelsalz eingesetzt. Die Aussage "Bio essen und alles ist gut" ist also nicht richtig. "Bio essen und vieles ist besser" dagegen schon. Eine Ernährung mit Schwerpunkt auf Bioprodukten ersetzt nicht den kritischen Blick und das Engagement für Verbraucherrechte. Damit die gesamte Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie ökologisiert wird, muss sich das System insgesamt ändern.
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Weitere Informationen zum Thema |
- Falsche Preise, wahre Kosten
foodwatch hat am Beispiel des Schweineschnitzels untersucht, welche Gründe es für die zum Teil hohen Preisunterschiede zwischen konventionellen und ökologischen Produkten gibt.
- Standards für Bioprodukte abgesenkt
Seit dem 1. Januar 2009 gilt die Neufassung der EU-Öko-Verordnung. Ab Mitte 2010 müssen alle Bioprodukte in der Europäischen Union ein einheitliches Siegel tragen.
- Problematische Zusatzstoffe in Bioprodukten
Bei konventionellen Lebensmitteln kommen rund 320 Zusatzstoffe zum Einsatz, bei Bioprodukten lediglich 47. Darunter jedoch auch das umstrittene Carrageen und Nitritpökelsalz.
- Georg Kaiser: "Bio macht süchtig"
Für Georg Kaiser hat die heile Verkaufswelt des konventionellen Supermarktes nichts mit der Realität von Bauern und Produzenten zu tun. 1999 gründete er in Berlin die Bio Company. Heute gibt es deutschlandweit 19 Filialen des Bio-Fachmarktes. Georg Kaiser ist außerdem Vorstandmitglied des Bundesverbandes Naturkost
und Naturwaren Einzelhandel. foodwatch sprach mit ihm über die Zukunft des Bio-Handels.
- Prof. Franz Daschner: "Biokost für Patienten"
foodwatch sprach mit Prof. Franz Daschner, der die Verpflegung im Universitätsklinikum Freiburg teilweise auf Biokost umgestellt hat. Die Klinik nimmt damit in Deutschland eine Vorreiterrolle ein.
- Medienberichte zum Thema Biolebensmittel
Das Interesse an Biolebensmitteln steigt, oft wird trotz des noch immer geringen Marktanteils sogar von einem Bio-Boom gesprochen. Ausgewählte Berichte und Beiträge mit Statements von foodwatch zum Thema Biolebensmittel.
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