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Tonnenweise Fleisch mit Keimen belastet![]() 09.07.2010 Die Befunde sind eindeutig: Von 92 Rindfleischproben waren 88 Prozent mit dem bislang wenig bekannten Keim Clostridium estertheticum belastet. Doch auch andere Fleischsorten sind betroffen, wie das staatliche Max-Rubner-Institut in Kulmbach berichtet: Bei Wildfleisch fanden sich die Bakterien in 75 Prozent aller Proben. Bei Putenfleisch wurden die Wissenschaftler in 60 Prozent, bei Schweinefleisch in 58 Prozent und bei Lammfleisch in 50 Prozent der Proben fündig. Gesundheitliche Bewertung umstrittenWelche gesundheitlichen Folgen mit einem Verzehr verbunden sind, ist umstritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)kommt nach Literaturrecherche in einer "vorläufigen" Bewertung zu dem Schluss, dass ein Risiko "unwahrscheinlich" sei. Gleichzeitig betont die Behörde unmissverständlich: "Das Fleisch ist verdorben und zum Verzehr nicht mehr geeignet." Das Max-Rubner-Institut, ebenfalls eine Einrichtung des Bundes, kommt zu einer anderen Einschätzung: "Meine große Sorge ist, dass sich möglicherweise hinter diesen Clostridien ein Gesundheitsproblem versteckt, weil wir von Clostridien immer eine gewisse Gefahr erwarten müssen", sagte Professor Manfred Gareis dem SWR-Magazin Odysso. "Viele Clostridien sind in der Lage Gifte zu bilden. Und nachdem es sich hier auch um Clostridien handelt, müssen wir eigentlich zunächst mal das Schlimmste annehmen."
Umverpackt zurück in den HandelFest steht, dass Clostridien zu einem Aufgasen von Vakuumverpackungen führen. Diese blähen sich auf, beim Öffnen verbreitet sich ein stechender, unangenehm fauliger Geruch. "In aller Regel" werde solches Fleisch entsorgt, berichtet der SWR unter Berufung auf das Max-Rubner-Institut. Ein Teil jedoch gelange illegal zurück in den Handel, gewaschen und umverpackt. foodwatch hat die Behörden in Bund und Ländern aufgefordert, angesichts der ungeklärten Risikoeinschätzung nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln: Zunächst müssen die belasteten Fleischprodukte unverzüglich aus dem Verkehr gezogen und die betroffenen Betriebe vorübergehend geschlossen werden, um eine umfassende Reinigung und Desinfektion sicherzustellen. Weiter verlangte foodwatch, dass die Behörden die Öffentlichkeit umfassend über belastete Produkte, betroffene Betriebe und ergriffene Maßnahmen informierten. Nach § 40 des Deutschen Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuchs (LFGB) hat die Öffentlichkeit Anspruch auf Information, wenn es Hinweise auf verdorbene, nicht mehr zum Verzehr geeignete Lebensmittel gibt. Dies ist angesichts der Einschätzung des Max-Rubner-Instituts der Fall. "Deutschland und Europa in weiten Bereichen erfasst" Ursprünglich stammen die Keime dem SWR-Bericht zufolge offenbar aus Brasilien. Dort kommen ihre Sporen häufig in Haut oder Hufen von Rindern vor. Das Max-Rubner-Institut im fränkischen Kulmbach vermutet, dass Sporen in Schlachtbetriebe gelangten. Mit Importfleisch – in Vakuumpackungen und gekühlt vermehren sich Clostridien besonders gut – gelanten sie auch nach Deutschland. Die Rede ist von "Tonnagen" von belastetem Fleisch. In einem Bericht des Max-Rubner-Instituts heißt es: "Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Kontamination [...] weitaus größer ist als angenommen und diese Verderbsproblematik mittlerweile kein ausschließliches Problem von Rindfleisch exportierenden Ländern (Brasilien, Neuseeland, USA) mehr ist, sondern Deutschland und Europa in weiten Bereichen erfasst hat." |
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