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Klonfleisch

EU: Keine Kennzeichnung für Klon-Lebensmittel



EU: Keine Kennzeichnung für Klon-Lebensmittel

29.03.2011

Die EU-Verhandlungen über eine Kennzeichnung von "Klonfleisch" sind offenbar gescheitert. In der Nacht zu Dienstag konnten sich Parlament, Rat und Kommision nicht auf eine entsprechende Regelung verständigen. Damit bleibt alles beim Alten: Fleisch und andere Produkte von Klon-Nachkommen können den Verbrauchern weiterhin ohne jeden Hinweis untergejubelt werden. In Europa sind sie bereits im Handel.

 

Das Klonen bewährter Zuchtbullen verspricht gute Geschäfte. In den USA ist es seit 2008 erlaubt, Fleisch von den Nachfahren der Klone zu verkaufen – ohne Kennzeichnung. Die Verbraucher haben keine Wahl, Nein zu sagen: Ihnen werden diese Produkte einfach untergejubelt.

Klonfleisch in Europa schon heute im Handel

Ähnlich ist die Situation in Europa. Geklonte Zuchttiere sind bereits aus den USA eingeführt worden, Lebensmittel ihrer Nachkommen schon heute auf dem Markt. Das belegt ein nicht-öffentliches Papier der Europäischen Kommission, das der Organisation Testbiotech zugespielt wurde. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es bislang auch in Europa nicht – und sie wird es auch weiterhin nicht geben.

EU-Verhandlungen gescheitert

Dokumente & Links

Bis Ende März 2011 hatten die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und das EU-Parlament Zeit, sich im Zuge eines Vermittlungsverfahrens auf eine Kennzeichnung zu verständigen. Doch in der Nacht zu Dienstag (29. März) scheiterte die letzte Verhandlungsrunde offenbar endgültig. Während das Europäische Parlament für weitgehende Einschränkungen bei der Vermarktung von Klonprodukten eintrat, sprach sich die Kommission dagegen aus. Zuletzt verhandelten die Abgeordneten mit dem Europäischen Rat, also den Regierungen der 27 Mitgliedstaaten. Doch unter dem gegebenen Zeitdruck gab es keine Einigung. Und das bedeutet: Alles bleibt beim Alten. Fleisch oder Milch von Klon-Nachfahren darf frei vermarktet werden, ohne Kennzeichnung.Wie in den USA wird auch den europäischen Verbrauchern "Klonfleisch" ohne Hinweis untergejubelt.

Entlarvend ist vor allem die Argumentation der EU-Kommission: Sie wollte von vornherein Produkte von Klon-Nachfahren ohne Einschränkung zulassen, weil sie sonst "Vergeltungsmaßnahmen" der USA fürchtet. Auch aus dem Europäischen Rat – nicht zuletzt von der Bundesregierung – gab es Widerstand gegen eine Kennzeichnung. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) blockierten eine verbraucherfreundliche Regelung.

EU-Kommission scheut Handelsstreit mit den USA

Eine Kennzeichung hätte wohl zur Folge, dass sich viele europäische Verbraucher beim Einkauf gegen "Klonfleisch" im weitesten Sinne – also Fleisch auch von den Nachfahren geklonter Zuchtbullen – entschieden. In einer Umfrage von 2008 lehnte eine klare Mehrheit der EU-Bürger (58 Prozent) das Klonen von Tieren ab.

Zudem käme eine Kennzeichnungspflicht einem Einfuhrverbot praktisch gleich: US-Anbieter könnten Zuchtmaterial oder Fleisch kaum noch nach Europa ausführen, weil sie mangels Kenntlichmachung von Klonprodukten in den USA eine Kennzeichnungspflicht in Europa kaum erfüllen könnten. Einen solchen Handelsstreit fürchtet die EU-Kommission, könnten doch die USA im Gegenzug die Einfuhr von Produkten aus der europäischen Landwirtschaft oder sogar anderer Industriegüter stoppen. Vor allem bei Schweinefleisch und Milch produzieren die EU-Staaten jedoch zehn Prozent mehr, als sie benötigen – es gibt also ein massives Interesse daran, die Überschusse ins Ausland zu verkaufen.

Sichere Exporte statt Transparenz für Verbraucher

Sichere Exportmärkte für europäische Agrarüberschüsser sind offenbar wichtiger als Transparenz für den Verbraucher. Die werden dabei gleich mehrfach betrogen: Ihre Steuergelder subventionieren nicht nur die Überschussproduktion, sondern speisen auch die Töpfe für Exporterstattungen, mit deren Hilfe auf dem Weltmarkt preislich nicht wettbewerbsfähige EU-Agrarprodukte erst verkauft werden können. Und damit diese Exportgeschäfte nicht in Gefahr geraten, wird den europäischen Bürgern auch noch das Klonen von Tieren und die mithilfe dieser Technik erzeugten Produkte untergejubelt.

foodwatch für Kennzeichnungspflicht

foodwatch fordert eine Kennzeichnungspflicht auch für Produkte von Nachfahren geklonter Tiere. Auch wenn es nach heutigem Wissensstand keine gesundheitlichen Bedenken gegen solche Lebensmittel gibt, müssen Verbraucher das Recht haben, sich bewusst für oder gegen sie entscheiden zu können, aus welchen Gründen auch immer. In Europa gibt es zudem keine Notwendigkeit, Fleisch und andere Produkte auf diesem Wege herzustellen – profitieren würden lediglich die Konzerne, die Patente auf entsprechende Techniken halten.

Bilder: fotolia.com

 

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