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Grüne Woche 2009

Warum die Lebensmittelhersteller rot sehen




Warum die Lebensmittelhersteller rot sehen

16.01.2009

Vom 16. bis zum 25. Januar 2009 läuft die Grüne Woche in Berlin, nach eigenen Angaben die "weltgrößte Verbraucherschau". Die Lebensmittelindustrie stiehlt sich mit einer besonderen Masche aus der Verantwortung: Statt ausgewogene Lebensmittel anzubieten, fordert sie Konsumenten zu mehr Bewegung auf.

 

Manchem Besucher mag es in diesem Jahr vorkommen, als habe er sich auf eine Fitness- und Gesundheitsmesse verirrt. Der Gemeinschaftsstand der Ernährungsindustrie steht unter dem Motto "Power fürs Leben – Essen und Bewegen". Großkonzerne wie Unilever, Nestlé & Co. präsentieren sich auf der Grünen Woche 2009 mit Wohlfühlbotschaften aus der Traumfabrik: Wellness und Gesundheit durch Kaufen und Essen – die schlanke Linie für dicke Profite.

Ausgerechnet Süßwaren-Fabrikant Mars drängt sich mit seiner Buchreihe "Clever naschen Action Kids" als Ratgeber für die "aktive Familienfreizeit" auf. Und Ferrero will auf einer "mobilen Sport- und Laufspielanlage" Schüler aller Altersklassen zum Training motivieren – "powered by nutella"!

Milliarden-Kosten durch Übergewicht

Zur Erinnerung: Auf 70 Milliarden Euro werden die Krankheitsfolgekosten durch Übergewicht allein in Deutschland geschätzt. Eine Folge von zu viel Fett und Zucker, sozusagen auch "powered by nutella"? Natürlich hat die Industrie darauf die passende Antwort: Nicht ihre falsch zusammengerührten Produkte, nicht ihr permanenter Etikettenschwindel sind Schuld an überschüssigen Pfunden, sondern jedermanns Bewegungsmangel. Reine Ablenkung von der eigenen Verantwortung: Die Konsumenten sollen ihre Kilos einfach abtrainieren – und dann fleißig weiter futtern.

Bewegung für die Industrie

foodwatch meint: Bewegung hat vor allem die Ernährungsindustrie selbst dringend nötig. Wenn es um die Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben geht nämlich: Rot, gelb und grün als Hinweis auf den Gehalt an Fett, Zucker und Salz. Damit die Verbraucher auf einen Blick sehen, was Sache ist. Bisher sieht die Industrie bei dem Thema rot. Auf der Grünen Woche macht sie Stimmung gegen die Ampel. Größtes Wachstumspotenzial vermutet sie schließlich hinter Produktneuheiten, die den Verbrauchern zur Rechtfertigung höherer Preise immer großartigere Zusatznutzen vorgaukeln – in Wahrheit aber oft eher fett statt fit machen. Eine klare Kennzeichnung würde das entlarven.

foodwatch hat die neue Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU), aufgefordert, ihre Premiere auf der Grünen Woche zu nutzen, um ein starkes Signal in Richtung Verbraucher zu senden – mit einem klaren Bekenntnis zur Ampel. Sie hat es in der Hand, die Grüne Woche 2009 zu einer grün-gelb-roten Woche zu machen.

foodwatch-Mitmachaktion

Vorgänger Horst Seehofer (CSU) hatte sich zuletzt "ohne Wenn und Aber" für das Ampel-Modell ausgesprochen. Von Frau Aigner gibt es bisher jedoch keine klare Aussage, wie sie zur Nährwertkennzeichnung steht. Unterstützen Sie daher jetzt unsere Forderung nach der Nährwertampel und schreiben Sie an die Bundesverbraucherschutzministerin. Ganz einfach und direkt bei unserer Mitmach-Aktion. Noch mehr "Power" verleihen Sie unserer Kampagne, indem Sie Fördermitglied werden. Powered by foodwatch und garantiert kalorienfrei.