Kennzeichnung für neuartige Milch bleibt freiwillig
04.02.2009
Das Bundesernährungsministerium hat sich mit der Wirtschaft auf eine freiwillige Kennzeichnung für die neuartige, länger haltbare ESL-Milch geeinigt: In Zukunft soll sie den Zusatz "länger haltbar" tragen, herkömmliche Frischmilch die Aufschrift "traditionell hergestellt". Die Kennzeichnung ist jedoch unzureichend.
In Abstimmung mit der Industrie-Lobby hat das Bundesernährungsministerium beschlossen, dass die Kennzeichnung der neuartigen ESL-Milch freiwillig bleiben soll. Sowohl die herkömmliche als auch die neuartige, länger haltbare Milch dürfen weiter als "Frischmilch" verkauft werden. Das war das wichtigste Ziel der Wirtschaft. Die gewählten Formulierungen sind zudem, ganz nach den Wünschen der Industrie, ausschließlich positiv: „Traditionell hergestellt“ als Kennzeichnung für die herkömmliche Milch wird jeder Hersteller gerne auf die Verpackung drucken, auch „länger haltbar“ für die neuartige ESL-Milch klingt viel versprechend. Für den Verbraucher ist dadurch aber nicht ersichtlich, dass es sich bei der ESL-Milch um stärker verarbeitete, nämlich entweder hoch erhitzte oder gefilterte Milch handelt. foodwatch fordert gesetzlich verpflichtende, klare KennzeichnungFreiwillige Kennzeichnungsregelungen hält foodwatch grundsätzlich für wenig sinnvoll. Eine verlässliche und einklagbare Orientierung für Verbraucher gibt es nur mit einer Kennzeichnungspflicht.
Zudem muss jeder klar erkennen können, ob die Milch hoch erhitzt oder durch Filtration haltbar gemacht wurde. Die Herstellungsweise, die unter anderem den Geschmack beeinflusst, muss ersichtlich sein. Verbraucher müssen darüber informiert werden, was die verschiedenen Herstellungsweisen bedeuten. Der Zusatz „frisch“ ist im Übrigen auch bei der herkömmlichen, pasteurisierten Milch nicht ganz berechtigt. Denn auch sie wird beim Pasteurisieren auf 70 Grad Celsius erhitzt und damit: verarbeitet. „Längeres Leben im Regal“ nutzt vor allem dem HandelBeinahe unbemerkt hat der Handel in den letzten Monaten die so genannte „ESL-Milch“ eingeführt – ESL für „Extended Shelf Life", also längere Haltbarkeit im Regal. Gekühlt ist sie rund drei Wochen haltbar, herkömmliche Frischmilch dagegen nur maximal zehn Tage. Vorteilhaft vor allem für den Handel, der die Milchbestellungen so besser kalkulieren kann und weniger abgelaufene Milch entsorgen muss. Einige Supermärkte bieten daher bereits ausschließlich ESL-Milch an. Eine eindeutige Kennzeichnung gab es bisher nicht, foodwatch fand bei Supermarkt-Stichproben sogar Milch, bei der jegliche Kennzeichnung fehlte – obwohl das Haltbarkeitsdatum eindeutig auf ESL-Milch hinwies.
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