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Rückverfolgbarkeit

Wie weit reicht die Rückverfolgbarkeit bei QS?


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Wie weit reicht die Rückverfolgbarkeit bei QS?

18.11.2003

Vom Teller zurück bis zum Trog? Die Journalistin Julia Harbeck nahm die Spur eines Steaks im Wal-Mart-Supermarkt auf. Wohin ihre (Rück-) Verfolgungsjagd sie geführt hat, lesen sie hier.

 
Wal*Mart Berlin-Neukölln, Fleischabteilung

Es klingt alles ganz einfach: Wer bei Wal*Mart Fleisch mit dem Gütesiegel "QS" kauft, dem garantiert die in den USA beheimatete Hypermarkt-Kette "Herkunftssicherheit durch Möglichkeit der Rückverfolgung". So steht es zumindest in der blauen Broschüre, mit der Wal*Mart für "Qualität und Sicherheit" wirbt. Überhaupt wird die Werbung für QS bei Wal*Mart ganz groß geschrieben, jedenfalls an diesem Nachmittag Mitte Oktober. Über den Gängen in der Fleischabteilung hängen große, blaue Schilder mit weißer QS-Werbung. "Augen auf beim Fleischkauf", fordert die Broschüre den Verbraucher auf.

Obwohl ich den Tipp sogleich befolge, bin ich beim tiefen Blick in die SB-Kühltruhen enttäuscht: Auf all den abgepackten Filets, Rouladen und Hühnerschenkeln ist kein QS-Zeichen zu finden. Nur in einer Ecke der ersten Kühltruhe liegen "Rinderrouladen mit Mett gefüllt", "Fleischspieße vom Schwein" und einige andere Produkte der Eigenmarke "Wal*Mart - Frisch, schnell, fertig" mit einem kleinen QS-Aufdruck, den man mit weniger weit geöffneten Augen auch mit dem in der Zeile darunter aufgedruckten Teller verwechseln könnte.

Ich frage also an der Theke, wo ich denn das QS-Fleisch finden kann. Die Verkäuferin hat mich offensichtlich nicht verstanden und antwortet: "Oben an der Kasse". Ihr junger Kollege mit Baseballkappe weiß es aber besser: Alle Fleischprodukte seien QS-zertifiziert, nuschelt er und macht eine müde Handbewegung. Warum sie dann keinen Stempel oder Aufdruck tragen, wenn doch sonst überall Werbung gemacht wird, erfahre ich nicht.

Der junge Kollege, der sich als Fleischfachverkäufer vorstellt, aber seinen Namen nicht nennen will und auch kein Schild trägt, nimmt sich dann immerhin mehr als eine Stunde Zeit für mich. Ich möchte zwei Produkte kaufen und zurückverfolgen: "Rindersteak aus der Keule", angeblich QS, aber ohne entsprechenden Aufdruck und "Fleischspieße vom Schwein", mit QS-Aufdruck. Der Verkäufer versichert mir, dass auch das Rindersteak das QS-Siegel trage und lässt sich nach einigem Bitten und Erklären darauf ein, für mich die so genannte "Chargennummer", die zur Identifizierung nötig ist, herauszusuchen - allerdings nicht ohne seiner Skepsis Ausdruck zu verleihen: "Wat wollnse denn damit? Dit hat hier noch keener wissen wollen."

Nach zehn Minuten kommt er mit einer leeren Styropor-Schale wieder, in denen offenbar die Chargenzettel gesammelt werden und hält mir schließlich einen blutbeschmierten Zettel hin, der aussieht wie ein Kassenbon: "Dit is Ihr's."

Mit der Wal*Mart QS-Broschüre in der Hand frage ich ihn nach der Möglichkeit der Rückverfolgung (die dort ja an erster Stelle versprochen wird) und erhalte immer wieder die gleichen ausweichenden Antworten: "Wat wollnse denn damit? Die Bauernhöfe? Nee, dit kann ick ihnen nich sagen." Immerhin verspricht er mir den Erfolg meines Vorhabens: "Na klar geht dit mit der Rückverfolgung, aber dit ging ja ooch schon immer." Er selbst oder sonst jemand bei Wal*Mart könne mir da allerdings nicht weiterhelfen: "Na, da müssen sie die NFZ fragen." Daher, von der Norddeutschen Fleischzentrale in Bad Bramstedt, stamme nämlich das Rindersteak.

Eine Stunde lang hält der namenlose Verkäufer mir dann einen langen, aufschlussreichen Vortrag über die mehr als zweifelhafte Qualität des Fleisches, das er selbst verkauft. Er selbst würde das Fleisch nicht essen, und überhaupt nur sehr selten Fleisch essen, und wenn, dann "vom Bauern nebenan". Die Kunden verlangten aber leider Billig-Ware und keine Qualität. Und, mit einem Blick auf einen Berg billiger Hackfleischprodukte: "Denn sieht man ja, was dabei rauskommt."

In 20 Jahren in der Fleischbranche und in drei Jahren bei Wal*Mart habe er noch nie erlebt, dass es den Kunden interessiert, woher das Fleisch kommt. Das Beste sei es, beim Bauern um die Ecke zu kaufen, wenn man Qualität möchte, aber das wolle ja keiner bezahlen. Auf das QS-Siegel angesprochen, hält er mit seiner persönlichen Meinung nicht hinterm Berg: "Das ist doch alles Augenwischerei." Dass von Qualität keine Rede sein könne, sehe man ja schon am Preis: "Wie wollnse das denn machen, bei 1,70 das Kilo?"

Bis zuletzt versichert er mir, dass für die Rückverfolgung nicht Wal*Mart zuständig ist. Ich müsse wohl Station für Station nachverfolgen, angefangen bei der NFZ Bad Bramstedt (Rindersteak) beziehungsweise der Firma WestfalenLand in Münster (Fleischspieße).


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