foodwatch kritisiert: EU subventioniert Welthunger
23.04.2008
Europa ist mitverantwortlich für die weltweite Hungerkrise. Die Europäische Union gibt jährlich knapp 50 Milliarden Euro für landwirtschaftliche Subventionen aus. Die künstlich verbilligten Lebensmittel aus Europa zerstören bäuerliche Existenzen in der Dritten Welt.
Die Vereinten Nationen haben die Wirkung der globalen
Preissteigerungen für Lebensmittel mit der eines Tsunami verglichen. Der Vergleich
hinkt. Denn diese Preissteigerungen sind politisch gemacht - und kein
unabwendbares Naturereignis. Nach einer Analyse des Economist (06.12.2007: "The end of cheap food") geht allein die
Hälfte dieser Preissteigerungen auf das "rücksichtslose" (Economist) Ethanol-Programm in den USA zurück. Die USA
haben 2007 ein Drittel ihrer Maisernte für die
Erzeugung von Sprit eingesetzt. Das hat zu einer Verknappung der weltweiten
Getreidevorräte und zu dem Preisanstieg geführt. Dazu kommen Ernteausfälle 2007
und der gestiegene Rohölpreis, der Biosprit für den Markt interessant macht. Die oft angeführte gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Indien und
China bestimmt den akuten Preisanstieg kaum, denn diese Nachfrage steigt
allmählich.
EU-Subventionen zerstören bäuerliche Existenzen in Afrika
Die Preissteigerungen haben das bereits bestehende Hungerproblem
in der Dritten Welt verschärft. Schon seit Jahrzehnten hungert knapp eine
Milliarde Menschen. Diese Zahl wird jetzt zunehmen. Was kann dagegen getan
werden? Mitverantwortlich für den Hunger sind die Industrieländer und vor allem
das EU-Agrarsystem. Die Abschottung von Agrarimporten aus der Dritten Welt und
die Zerstörung kleinbäuerlicher Existenzen dort durch steuersubventionierte Billigexporte
aus den Industrieländern haben verhindert, dass die ärmsten Entwicklungsländer
eine eigene Nahrungsmittelversorgung aufbauen - die Grundlage jeder wirtschaftlichen
Entwicklung.
Verbraucher in Deutschland zahlen wegen Subventionen mehr
Das EU-Agrarsystem schadet nicht nur den Landwirten in der Dritten
Welt, sondern auch den Verbrauchern in Deutschland. Sie zahlen höhere Preise
als notwendig, und darüber sowie über die EU-Agrarsubventionen - aus Steuern bezahlt - gibt jeder Haushalt mehrere hundert Euro jährlich aus. (Beispiele finden Sie hier.) foodwatch
fordert: Dieses umweltfeindliche, verbraucherfeindliche und Dritte-Welt-feindliche
System muss endlich abgeschafft werden.
Thilo Bode im Gespräch bei nano (3sat) zu den Folgen der EU-Agrarpolitik (16.04.2008)
Weitere Informationen zum Thema
Beispiele für Preistreiberei durch EU-Agrarpolitik
Der Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland wird beklagt. Die deutsche und die EU-Agrarpolitik haben einen beträchtlichen Anteil daran. Hierzu vier Beispiele:
EU: Milliardengrab und Sicherheitsrisiko
Das EU-Agrarsystem plündert die Verbraucher aus, verschmutzt die Umwelt und vernichtet Existenzen in der Dritten Welt - und ist damit auch ein Sicherheitsrisiko.
Biosprit treibt die Nahrungsmittelpreise nach oben Beim Thema Biosprit ziehen Auto- und Bauernlobby an einem Strang. Und die deutsche Regierung macht Politik in deren Sinne. Wenn die Regierungspläne Realität werden, ist der Klimapolitik nicht gedient. Auch die Verbraucher in Europa und weltweit werden darunter leiden.
Medienberichte zur Welternährungskrise Ausgewählte Medienberichte, Interviews und Radiobeiträge mit den Positionen von foodwatch zur Welternährungskrise.
Am kommenden Freitag, 3. September, 22.45 Uhr ist foodwatch-Chef Thilo Bode zu Gast in der NDR-Talkshow 3nach9, wenn die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers ihren Einstand als Moderatorin gibt. Weitere Talkgäste sind unter anderem Tom Jones, Hannelore Elsner, Moritz Bleibtreu und Ulrich Tukur.